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Risikobegrenzung


Risikobegrenzung


Den nachfolgenden Artikel könnte man auf einen Satz kürzen : wer nur einen Ball mehr (cleverer) ins Feld spielt als sein Gegner, dürfte keine Probleme haben das Match zu seinen Gunsten zu entscheiden. (Thies Röpcke)

Tipps . weniger Risiko- weniger Eigenfehler
Tennis-Normalverbraucher unterscheiden sich von Spitzenspielern naturgemäß in vielen Punkten. Einer davon ist die Anzahl der Eigenfehler.

Ein bekanntes Bild: Jugendliche, die auf schnelle Bälle noch schneller antworten, ihre Geschosse außerhalb der Linien platzieren, sie ins Netz knallen und, außer sich über permanentes Pech zu beklagen, nichts unternehmen, um die Unmenge ihrer Eigenfehler zu reduzieren.
Neulich produzierte ein Jugendlicher in sieben Spielen 16 Eigenfehler. Darauf angesprochen, stellte ich fest, dass er dies nicht als besonders tragisch empfand, hatte er doch dank der 19 Eigenfehler seines Gegners 5:2 geführt.

Spitzenspieler machen keine Geschenke!

Eigenfehler sind Fehler, die gemacht werden, ohne das man vom Gegner dazu gezwungen wurde. Ich bezeichne Eigenfehler deshalb auch als Geschenke. Sie werden dem Spieler erst dann wirklich schmerzlich bewusst, wenn der Gegner kaum Eigenfehler macht. Meistens aber lassen sich Mittelklassegegner nichts schenken und liefern zumindest ebenso so viele Geschenke ab wie sie erhalten. Spitzenspieler zeichnen sich durch einen geringen Eigenfehleranteil aus und das bei sehr hohem Tempo und genauer Platzierung.

Gründe :
Die meisten Spieler wissen, das sie zu viele Eigenfehler machen. Dieses Wissen könnte zwar ein erster Schritt zur Besserung sein, es zeigt sich jedoch, dass es ihnen nicht gelingt, ihre Eigenfehler deutlich zu reduzieren, da sie nicht wissen, wie sie dabei vorgehen müssen.
Die Lösung heißt: Reduzieren der Risikofaktoren!
Ein Risikofaktor ist all das, was man spielt, ohne es zu können. So gesehen ist Risiko ein relativer Begriff, da es vom Können des Spielers abhängig ist.

Risikofaktoren

1. Zu geringes technisches Können und/ oder zu geringe Kondition.
Der Spieler wendet Schlagtechniken an, die er nicht ausreichend beherrscht oder steht infolge seines schlechten konditionellen Zustandes schlecht zum Ball.

2. Zu hohes Tempo der Schlagbewegung
Der Spieler schlägt mit einer Bewegungsgeschwindigkeit, die er aufgrund der fehlenden Feinkoordination der Bewegungstechnik nicht beherrscht.

3. Schlechte Stellung zum Ball
Spieler mit schlechter oder unzureichender Beinarbeit stehen meistens schlecht zum Ball, was dazu führt, dass die Schlagbewegung oft anders ausgeführt wird, als bei optimalem Abstand zum Ball.

4. Zu geringer Abstand der Flugbahn vom Netz
Im Bestreben, den Ball schnell zurückzuspielen, spielt der Spieler eine flache Flugbahn. Das ist grundsätzlich richtig. Leider übersieht er dabei nur allzu oft, dass „flach“ nicht mit „knapp“ über das Netz gleichzusetzen ist. Flache Flugbahnen können nur bei hohen Treffpunkten (zumindest über Hüfthöhe) gespielt werden und halten auch dann einen „Respektabstand“ von zirka einem halben Meter vom Netz ein.

5. „Gerade“ Schläge/ wenig Drall
Gerade Schläge haben den Nachteil, dass ihre Flugbahn länger ist als die von Topspin-Schlägen und sie daher eher im Aus landen.

6. Extreme Platzierung an die Seitenlinien
Grundsätzlich sollten extreme Platzierungen nur für Passierschläge gewählt werden. Bei allen anderen Schlägen sollten die Linien gemieden werden. Die Platzierung an die Seitenlinien birgt das große Risiko des Seiten-Aus und eröffnet dem Gegner die Möglichkeit, seinerseits einen großen Winkel zu spielen.

7. Stress
Wird der psychische Druck während des Spieles immer größer – die Gründe dafür können vielfältig sein – so kann sich der Spieler „verkrampfen“. Er spielt nicht mehr gelöst, was sich auch auf die technische Schlagausführung negativ auswirken kann. Wir sehen dieses Phänomen oft bei sogenannten „big points“, bei denen sich unroutinierte oder mental schwache Spieler nicht selten „verkrampfen“.

Mehrere Risikofaktoren gleichzeitig
Vermeidung von Risikofaktoren heißt, dass man in Situationen, von denen man weiß, dass man sie nicht ausreichend beherrscht, so spielen sollte, dass man zunächst einmal keine Eigenfehler begeht. In diesem Moment ist nicht der Gegner unser Problem, sondern Ball, Spielfeld, mangelhafte Schlagtechnik, schlechte Kondition oder die eigene Angst. Es gilt daher zuerst diesen „Kampf“ zu gewinnen, bevor man daran denken kann, dem Gegner Schwierigkeiten zu bereiten. Obwohl sich also das Risiko für Eigenfehler schon bei Vorhandensein eines einzigen der aufgezählten Risikofaktoren stark erhöht, kann man in diesem Fall noch hoffen, Glück zu haben und den Eigenfehler vermeiden zu können.
Bei der Analyse der Eigenfehler stellt man jedoch sehr oft fest, dass mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vorhanden waren. Da versucht ein technisch schwacher Spieler bei einem kritischen Stand aus dem vollen Lauf einen tiefen, schnellen Ball des Gegners flach an die Linie zu spielen und beklagt sein Pech, wenn er ihn knapp ins Aus schlägt. Dabei war es schon ein Wunder, dass er ihn überhaupt erreicht und über das Netz gebracht hat. Das heißt, dass er sechs Risikofaktoren überwinden konnte, der siebente aber dann doch zuviel war.
Vor allem das Vorhandensein mehrerer Risikofaktoren führt zum Eigenfehler. Anstatt schnelle Bälle des Gegners noch schneller, flach und extrem platziert zurückzuschlagen zu wollen, wäre es z. B. sinnvoller, zwar mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit, gleichzeitig aber leicht steigender Flugbahn (Abstand vom Netz), stärkerem Vorwärtsdrall (kürzere Flugbahn und dadurch nicht im Aus) und weniger extremer Platzierung (kein Seitenaus) zu antworten.

Weniger Risiko heißt nicht „Schupfen“
Fragt man einen Spieler, wie er den Eigenfehler vermeiden könne, so hört man nicht selten „indem ich weniger stark schlage“. Gerade das sollte aber die letzte Möglichkeit sein, die man ergreift. Abgesehen davon, dass der Spieler gar nicht leichter schlagen will, um nicht als „Schupfer“ zu gelten, verändert eine langsamere Schlagbewegung sein gesamtes Timing, die Länge der Flugbahn und die Drallgeschwindigkeit.
Der Trainer sollte daher mit jedem Spieler einmal folgendes klären:

1. Modernes Tennis ist auf sehr hohe Bewegungsgeschwindigkeit des Schlagarmes und des Schlägers aufgebaut. Es gibt praktisch keine langsame Schlagbewegung mehr, da entweder die Schlaggeschwindigkeit (Zeit vom Treffpunkt bis zum Aufsprung) oder die Rotationsgeschwindigkeit (geschnittene Schläge) sehr hoch sein sollen und beides eine hohe Bewegungsgeschwindigkeit voraussetzt.

2. Wenn es die Situation und die eigene Schlagtechnik zulassen, sollte man versuchen, die hohe Bewegungsgeschwindigkeit mit einer hohen Schlaggeschwindigkeit (flache Flugbahn) zu verbinden. Modernes Tennis ist ein sehr schnelles Spiel geworden, bei dem höhere Flugbahnen im Spitzentennis eher der Vorbereitungsarbeit und der Variation dienen, ansonsten aber ziemlich flach gespielt wird. Dabei stellt man aber fest, dass Bälle, deren Treffpunkt hinter der Grundlinie liegt, fast immer mit leicht steigender Flugbahn gespielt werden und einen überraschend großen „Respektsabstand“ (durchschnittlich 50 Zentimeter) vom Netz aufweisen. Spitzenspieler machen daher bei Grundlinienschlägen sehr selten Netzfehler.

3. Wenn man sieht, dass hohe Bewegungsgeschwindigkeit und flaches Spiel zu Eigenfehlern führen, sollte man die hohe Bewegungsgeschwindigkeit beibehalten und als erste Änderung eine leicht steigende Flugbahn mit erhöhtem Vorwärtsdrall wählen, damit man auf diese Weise den „ Respektabstand vom Netz und von der Grundlinie“ einhalten kann. Das hat den Vorteil, dass der Spieler auch weiterhin schnelle Bewegungen spielen kann, auf den Gegner Druck mit der zweiten Flugbahn des Balles macht (verstärkter Drall und höherer Absprung) und er sich nicht auf ein für ihn ungewohntes Timing durch langsamere Bewegungsgeschwindigkeit des Schlagarmes umstellen muss. Darüber hinaus ist die schnelle Bewegungsgeschwindigkeit für den Spieler auch mental wichtig, da sie sowohl ihm als auch seinem Gegner den Eindruck einer aggressiven, mutigen Spielweise vermittelt.

Zusammenfassung
Wenn ein Spieler zu viele Eigenfehler macht, sollte der Trainer eine Eigenfehleranalyse anstellen. Zu hohe Risikofaktoren sollten auf alle Fälle solange im Match vermieden werden, solange sie nicht deutlich verringert werden konnten.
Sollten mehrere Risikofaktoren gleichzeitig für die hohe Eigenfehlerquote verantwortlich sein, so liegt es an der Spielstärke des Gegners, wie viele man weglassen sollte. Bei schwachen Gegnern wahrscheinlich alle, bei starken wird man nicht darüber hinwegkommen, ein gewisses Risiko zu übernehmen und an sein „Limit“ heranzugehen.
Bei gemeinsamen Beobachtungen von Spitzenspielern hören wir von unseren Schülern oft, dass auch diese viele Risikofaktoren auf sich nehmen, da sie schnell und platziert schlagen und das auch bei schnellem und platziertem Spiel des Gegners. Sie übersehen dabei allerdings, dass nur dann etwas zum Risikofaktor wird, wenn man es nicht kann. Und da Spitzenspieler wesentlich mehr können als unsere Schützlinge, ist das, was für diese erhöhtes Risiko bedeutet, für jene risikolos.
Je besser ein Spieler, um so weniger Risikofaktoren gibt es für ihn. Setzt ein Mittelklassespieler mehrere Risikofaktoren gleichzeitig ein, kann das gelegentlich zwar zu „Weltklasseschlägen“ führen, auf Dauer aber zu einem sehr hohen Eigenfehleranteil.
Jean Paul Loth, der Technische Direktor des Französischen Tennisverbandes, hat einmal gesagt:

„Weltklassespieler spielen relativ selten erhöhtes Risiko und nur dann, wenn sie es brauchen. Mittelklassespieler glauben, dies immer tun zu müssen.“

Ich habe das Match Björn Borg gegen Guillermo Vilas im Finale der French Open gesehen. Das Match endete mit 6/1-6/0-6/1. Dies kann passieren. Das Spiel dauerte aber über 4,5 Stunden mit Ballwechseln, in denen sich die Zuschauer ihre Kaffeepause nahmen und bei ihrer Rückkehr immer noch der gleiche Ballwechsel im Gang war. Björn Borg schaffte es bei nahezu jedem Punkt einen Schlag mehr ins Feld zu spielen als Vilas. Da kam dann allerdings auch noch folgender psychologischer Aspekt dazu. Vilas merkte, er kann Borg mit dem ewigen Zurückschaufeln seiner Bälle nicht gefährden. Er wurde ungeduldig und versuchte Schläge zu fabrizieren, die er sonst nicht schlagen würde. Dies war mit ein Geheimnis des Erfolges von Borg. Der spielte oft die ersten Spiele seiner Matche so , dass, auch wenn er den Ballwechsel schon hätte beenden können, er seinen Gegner nicht ausspielte, sondern den Ball weiter im Spiel behielt. Er zeigte dem Gegner damit zu Beginn des Matches: du kannst ihn mir meinetwegen 100 Mal zurückspielen, ich spiele ihn dir 101 mal über das Netz.. Das wussten seine Gegner natürlich. Sie mussten dementsprechend ihr Risiko erhöhen um Borg unter Druck zu setzen, und schon stieg die Fehlerquote. Borg war allerdings auch derjenige mit den schnellsten Beinen und konnte seine Taktik durchführen.

- Hermann Karsten Stölten - MCCS Hamburg - Break Sport Agentur - TennisTalente Pool Emshorn - TC Kölln-Reisiek - ITA Tennis Agency Thomas Schulze - Sportlife Elmshorn -

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